IMAGINE – Den Frieden nicht aus den Augen lassen
Mit den Menschen um mich her in Frieden leben, unsere Beziehungen geprägt von dem Bemühen um einen gerechten Ausgleich zwischen den verschiedenen Bedürfnissen – wer möchte das nicht gerne? Die allermeisten Menschen sind darum bemüht, dieses Ideal auch in ihrem Alltag umzusetzen. Aber immer wieder scheitern wir daran, und angesichts der vielfältigen Polykrisen, denen wir heute ausgesetzt sind, drängt sich auch die Frage auf, ob sich die Mühe lohnt, ob nicht ohnehin alles Bemühen nur ein Tropfen auf den heißen Stein und damit letztlich vergeblich bleibt? Ob es nicht doch notwendig ist, auf Gewalt mit Gegengewalt zu reagieren oder zumindest damit zu drohen, um nicht unter die Räder zu kommen?

IMAGINE – Dieser Mutmachabend will einen Anstoß und eine Ermutigung bieten, das angestrebte Ideal eines gerechten Zusammenlebens in Frieden nicht aufzugeben. Wir wollen unsere Aufmerksamkeit, die ermattet von dem vielen Leid und Elend, das uns beständig vor Augen kommt, neu ausrichten auf die Vision eines Lebens, das uns erstrebenswert erscheint, eines Lebens in Frieden.
Frieden ist uns dabei mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt – er ist im biblischen Sinn „Schalom“, die Vorstellung, dass alle in guter Weise so mit einander leben können, dass für jede und jeden die körperlichen, seelischen und sozialen Bedürfnisse erfüllt sind.
Den Frieden in den Blick zu nehmen bedeutet für uns nicht, Schwierigkeiten und Leid zu verdrängen und uns die Situation schön zu reden. Zugleich wollen wir auch der uns Menschen eigenen Neigung widerstehen, die Aufmerksamkeit wie die Kaninchen vor der Schlange nur noch auf das Negative zu richten, das uns Angst macht.
Wir bleiben realistisch, indem wir beides aussprechen – unsere Sorgen über die Krisen, die uns bewegen, und unsere Dankbarkeit für viele gute Erlebnisse und Anlässe zur Freude, die es in unserem Leben auch gibt – auch in diesen Zeiten. Und indem wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass der beständige Wandel, der unsere Welt ausmacht, immer wieder auch Gelegenheiten bietet, unsere Situation zum besseren zu verändern.
Im Mittelpunkt des Abends steht daher, dem Motto „IMAGINE“ entsprechend, der Austausch über unsere ganz persönlichen Vorstellungen davon, wie unser Leben in Frieden und Gerechtigkeit gelingen kann. Die neueren Ergebnisse der Hirnforschung bestätigen es: Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, das prägt auch unser Handeln. Wenn wir in angespannten Situationen engagiert und zugleich ohne Gewalt agieren wollen, dann hilft es sehr, vorher bereits möglichst konkrete Bilder im Kopf zu haben, wie denn ein solches Zusammenleben in Frieden und Gerechtigkeit aussehen könnte, und im Alltag möglichst durchgängig so zu handeln, wie es diesen konkreten Bildern entspricht.
Damit dieser Austausch einen guten Rahmen hat, haben wir einige Menschen eingeladen, uns zum Einstieg von ihren persönlichen Visionen zu erzählen und davon, mit welchen Schwierigkeiten sie dabei konfrontiert sind und was ihr Leben reicher macht. Nach einem Impuls zum Nachdenken über Hoffnungs-Visionen der Bibel besteht dann bei einem Abendimbiss die Gelegenheit zum Austausch für alle über die je eigenen Visionen, Schwierigkeiten und schönen Erlebnisse. Am Ende schließen wir gegen 20 Uhr mit einer Bitte um den Segen für die Herausforderungen, die im Alltag in den nächsten Wochen vor uns liegen, wenn wir ihn mit unserer je eigenen Vision leben.
IMAGINE – das ist der erste Teil einer Reihe von vier Mut-Mach-Abenden, die sich über das Jahr verteilen und die sich wechselseitig ergänzen. In den anderen drei Teilen werden wir darüber nachdenken und uns austauschen, wie Frieden in unseren Köpfen und Herzen einziehen kann trotz aller unangenehmen Gedanken und Gefühlen, wie Frieden mit unseren Nächsten vielleicht auch da gelingen kann, wo alles schwierig erscheint, und wie unser Beitrag zum Frieden in unserem Land, in Europa und in der Welt aussehen könnte.